Replik auf Precht Interview


Eine Replik auf das Interview mit Richard David Precht

in der Augsburger Allgemeinen vom 9. Juli 2019

These die Klimakrise und der Resourcenverbrauch wären die Schicksalsfrage der Epoche.

Dazu muss man fest glauben, dass sich die Modelle des IPCC sich so bewahrheiten würden – was sie leider nicht tun. Ginge man davon aus, dass der Klimawandel auch einen natürlichen Ursprung (Sonnenaktivität, Magnetfeld der Erde, etc.) haben könnten, könnte man die IPCC Modelle hinterfragen, die sich seit 20 Jahren nicht entsprechend ihren Vorhersagen verhalten haben. Man würde nicht dem Irrglauben hinterher hetzen, dass der Mensch den Lauf der Natur aufhalten könnte. Oder man könnte die Frage erlauben, wie hoch der Einfluss des Menschen wirklich ist. Denn niemand, Gegner wie Leugner würde bestreiten dass weder 0% noch 100% menschengemachter Wandel realistisch sein können. Würde man diese Diskussionsoption zulassen müssten auch seriöse Kritiker des „Klimawandels“ gehört werden dürfen.

Zu Prechts These es ginge immer nur um Wachstum, Wachstum, Wachstum.

Wer ein bisschen wirtschaftsnahe Presse liest wird feststellen, dass es bei Wachstum nicht darum geht, dass wir alle doppelt so viel essen oder trinken. Es geht um Wachstum in den Städten, die am Zuzug ersaufen. Es geht um mehr Menschen, die ins gemachte Nest nach Europa (nein nach Deutschland) wollen. Es geht um einen Wandel in der Wirtschaft und darum dass Google und Apple (interessiert viele) zulegt und derweil andere Umsatz, Arbeitsplätze, Bedeutung verlieren (interessiert niemand). Es ist gut dass Länder der sogenannten Dritten Welt aufholen (dürfen und sollen) und Menschen nicht mehr hungern, nicht mehr vor dem 5 Lebensjahr sterben. Das ist Wachstum das gemeint ist und ich verstehe nicht wer was dagegen haben kann. Natürlich kann morgen nicht komplett Afrika mal eben nach Malle oder irgendwo in Afrika hinjetten. Das wollen diese Menschen aber auch nicht; die wollen erstmal leben mit allem was dazugehört.

Zu Precht Forderung nachhaltiger zu wirtschaften sowie der Ablehnung der Kernkraft um stattdessen die Alternativen zu fördern.

Nachhaltiges Wirtschaften muss sich rechnen. Und wenn es sich rechnet setzt es sich von alleine durch. Unverständlich warum dieser Gedanke bei Grünen nicht berücksichtigt werden kann.

Es sollte sich mittlerweile rumgesprochen haben, dass die Anti-AKW-Demonstranten in den 70er Jahren sowas von daneben gelegen haben. Weil sie gegen die Wiederaufbereitung waren, haben sie auch einen Riesenberg an Atommüll geschaffen, der – wenn es denn so weiterginge – noch unzähligen Generationen Probleme bereiten würde. Heute sind 4. Generation Kraftwerke angesagt (überall, nur nicht in Deutschland, obwohl hier mitentwickelt wird), die aus Millionen Jahren immer noch sportliche per Hundert machen. Und gar nicht nebenbei: heute würde Deutschland seine CO2 Ziele weit übertreffen und wäre weltweit ein Musterknabe, wenn all die Gelder der „Energiewende“ in den Ausbau der AKWs geflossen wären.

Prechts Plädoyer für eine Verzichtskultur, die mit der Marktwirtschaft nicht zusammenpassen würde.

Wie soll das auch gehen, wenn Verbrauchern täglich untergejubelt wird, dass alles möglich ist: Fett essen ohne fett zu werden. Zuckeressen ohne zuckerkrank zu werden. Ökostrom kaufen, der nicht öko ist, aber ein grünes Papperl hat. Um die Welt jetten und sich mit einen CO2 Ablass freikaufen. Volksbegehren zur Bienenrettung unterschreiben die alleine den Bauern alle Last aufhalsen, während man selbst Gärten des Grauens pflegt?

These, dass sich die Verteilungsfrage mit der digitalen Revolution neu stellen würde.

Klassischer Denkfehler der linken Echokammer: Geld muss nicht erarbeitet werden; es regnet gewissermaßen vom Himmel und die einzige Frage, die sich stellt wäre alleine die „gerechte“ Verteilung.  Der Denkfehler wird auch mit der Digitalisierung nicht weggehen – die im Übrigen schon lange genug im Gang ist. Die Ungerechtigkeit denen gegenüber, die das Geld erarbeiten oder gar sparen, selbst zu Zeiten wo sich Sparen nicht mehr lohnt, wird nicht thematisiert.

Digitalisierung und künstlicher Intelligenz führe dazu, dass weniger Menschen einer Lohnarbeit nachgehen

 Der Irrglaube, das morgen alles von Robotern erarbeitet wird ist m.E. falsch. Roboter müssen erst mal entwickelt werden. Dann gebaut, dann vermarktet, dann verkauft, dann programmiert werden. Dann müssen sie tatsächlich funktionieren. Danach gewartet und repariert und zuletzt außer Betrieb, zerlegt, transportiert und verschrottet werden. Genügend Arbeit für Menschen. Und der Drecksarbeit, die sie etwa in den Autofabriken ersetzen, sollte niemand nachweinen.

Zur Frage des Interviewers Wandel in die Digitalisierungsgesellschaft gleich mit dem ökologischen Wandel mit zu vollziehen – der Precht voll zustimmt

Erstens schleicht sich die ökologische Frage sowieso mit jeder neuen Generation an Menschen von alleine ein. Es bleibt aber – wieder mal – dass vor lauter Ökologietrunkenheit die Ökonomie vergessen wird.

Es fehle in der Digitalisierung an Überlegungen zur Effektivität – Beispiel Stromverbrauch Google Server. Oder die Smart Citys, die Licht bei Bedarf anschalten

Es gibt hinreichend viele Beispiele für neue Rechenzentren, die mit Ökostrom betrieben werden oder dort stehen wo es günstigen Ökostrom gibt. Oder Versuche RZ im Meer zu versenken, weil dann die Kühlungsfrage gelöst ist. Was alles in einer SmartCity möglich sein wird, können wir alle heute wohl kaum erahnen. Und von Technikfernen sollten wir hier nicht die Erleuchtung erwarten.

Das E-Auto wäre die falsche Technik. Plädiert für Wasserstofftechnik

Nette Theorie. Die vom Wasserstoff. Wird sich wohl kaum einstellen (auch wenn es vielleicht wünschenswert wäre). Fraglich ob die Technik mitspielt (wobei das am Ende das lösbarste Problem wäre), die Sicherheit sich überzeugend rüberbringen lässt (lass mal ein Wasserstoffauto hochgehen – egal ob klassischer Verbrenner oder Brennstoffzelle) und grundsätzlich der politische Wille da wäre.

Die Geschwindigkeit des Wandel durch die Digitalisierung würde zu Überforderung führen (wen oder was bleibt offen). Es könnte Crashs geben

Siehe oben. Kein Grund zur Panik wegen Digitalisierung. Ein modernes Arbeitsleben ist heute unter 40 Jahre (selbst Maurer und Bäcker arbeiten nicht mehr bis zur Rente). Und 40 Jahre sind gar nichts um von der Dampfmaschine zum Dieselmotor zu kommen.

These des Interviewers: eine Arbeitslosigkeitskrise würde der AfD sehr starken Zulauf bescheren. Zustimmung Precht

Eine heftige Arbeitslosigkeitskrise beflügelt alle Spinner, Paniker und Heilsbringer.

These Realitätsverweigerung wäre das alleinige Geschäft der AfD.

Leider sind die Faktenverweigerer in allen gesellschaftlichen Kreisen und in allen politischen Richtungen zu finden.

Nimm mal eine heilige Kuh der „Progressiven“ – sagen wir Glyphosat. Die gleichen Leute, die beim „Klimawandel“ auf die Wissenschaft pochen (auch wenn sie tatsächlich nichtgenehme wissenschaftliche Beiträge ignorieren) werden vehement argumentieren es wäre das Teufelszeug schlechthin. Dabei sind ihnen vielleicht sogar die IARC Klassen bekannt und was sich in den Klassen  sonst so tummelt. Aber jeder seriöser wissenschaftliche Beitrag gilt als von Lobbyisten gekauft angeprangert.

Nächstes Beispiel: Gentechnik. All die wissenenden Kritiker können die einfache Frage nicht beantworten, warum rote Gentechnik ok wäre und grüne nicht. Und damit läuft deren Kritik immer ins Leere.

Frage darf die Politik regulieren und Verbote aussprechen? These, die Menschen lieben Verbote. Erläutert am Beispiel Rauchen.

Nein, Verbote sollten aus meiner Sicht für einen erwachsenen Bürger die letzte Wahl darstellen. Ja ich reagiere auf gute Argumente und passe mich gerne – wohl nicht immer leicht – an. Was beim Rauchverbot gelaufen ist, bringt mich heute noch in Rage. Selbst wenn ich heute nicht mehr rauche. Und ich denke es gibt genügend, denen es ähnlich geht. Und jene die ihre Kneipe aufgeben mussten haben mit Sicherheit auch eine andere Meinung.

Meinung in Deutschland gäbe es eine Mehrheit für Verbote der Massentierhaltung. Kann man also verbieten, die Leute gewöhnen sich schon dran.

Das Sankt Florians Prinzip dürfen wir regelmäßig in praktischer Anwendung beobachten. Natürlich will niemand Massentierhaltung. Es will aber auch niemand ein Fünferl mehr bezahlen. Und so wie sich bis heute die Mär hält dass mit dem Euro alles doppelt so teuer wurde – egal was die Zahlenmenschen sagen oder beweisen – würde sich der Ärger über teureres Fleisch ewig halten. Lassen wir die Jungen einfach mal unsere Plätze einnehmen und wenn es jemand schafft – die Aussichten sind ja nicht so schlecht – den Leuten Erbsenburger aufzuschwatzen, dann erledigt sich die Frage von ganz alleine.

Precht findet es furchtbar, dass die Politik Angst vor Verboten hat. Ermuntert die Grünen (nur die sind ernst zu nehmende Politiker?) sich zu trauen und zu Verboten zu stehen.

Die Politik hat ein unschönes Problem: sie ist ihren Wählern gegenüber verantwortlich. Sie muss sich regelmäßig rechtfertigen. Ein großer Vorteil, den Philosophen scheinbar nicht haben.

Frage: welche Verbote dürfen es denn sein? Precht stört sich an SUV in Innenstädten und Plastiktüten.

Erstens hatten wir die Diskussion ja erst vor ganz kurzer Zeit. Das wurde der Panzer-SUV thematisiert, während tatsächlich im Land die höhergelegten Autos immer mehr werden. Weil auch die Alten immer mehr werden (oder älter werden?). Wir sollten uns nicht ablenken lassen, ein paar Spinner mit Hummer und co auf Leopoldstraße oder Kuhdamm gehören zum Bild, sind aber eine vernachlässigbare Größe. Zweitens: wird bestimmt auch der Wohlmeinendste nicht akzeptieren, dass ein Plastikverbot in Deutschland den Pazifik morgen sauber machen wird. Warum wird dann die sinnfreie Forderung überhaupt überhaupt gestellt und Gesetze auf teufel komm raus verabschiedet?

Frage: Verbote durch die Politik als Hilfe für den Konsumenten also? Was Precht als Alltagsvereinfachung befürwortet. Und er lehnt den Müllexport ab, da die Zielländer keine Abfallwirtschaft hätten.

Es braucht keine Abfallwirtschaft um Plastikmüll zu verwerten. Wenn es auf der Weltenügend Menschen ohne Arbeit gibt, sollte man ihnen auch zutrauen, dass sie das Problem zuerst mit Menschenkraft lösen und ihnen dann zutrauen dass sie Möglichkeiten finden werden das effizienter zu lösen. Allenfalls brauchen sie Hilfe zu verstehen womit sie da umgehen (nicht nur die Plastikarten, sondern auch z.B. die Schwermetalle im Druck) und welche Möglichkeiten sich anbieten. Wir bezahlen genügend Entwicklungshilfe, die im Sand verläuft oder Milliardäre finanziert. Man kann auch mal direkt investieren. Und von der Plastikindustrie praktische Hilfe anfordern.

Mein Fazit:

Ablehnung in allen Thesen, mit einer Ausnahme: Zustimmung zur These, dass wir es in vielen Bereichen mit einem globalen Markt zu tun haben, auf dem wir sehen müssen, dass wir im Wettbewerb nicht abgehängt werden und an Entwicklungen partizipieren.